70 % der Beschäftigten wird keine KI-Fortbildung angeboten
Eine Bitkom-Umfrage aus dem Frühjahr 2025 zeigt, dass erst ein Fünftel der Berufstätigen vom Arbeitgeber im Umgang mit KI geschult wurde. Die große Mehrheit erhält kein Angebot, obwohl die KI-Verordnung seit Februar 2025 KI-Kompetenz verlangt.
Bitkom e. V. · 7. Juli 2025 · Zusammenfassung vom 2. September 2026
- 70 %
- der Beschäftigten wird keine KI-Fortbildung angeboten.
- 20 %
- der Berufstätigen wurden vom Arbeitgeber bereits im KI-Einsatz geschult.
- 33 %
- der Erwerbstätigen halten es für möglich, dass eine KI ihre Vorgesetzten ersetzt.
Die Ergebnisse
Ein Fünftel (20 %) der Berufstätigen in Deutschland wurde vom Arbeitgeber bereits im Einsatz von Künstlicher Intelligenz geschult. Bei weiteren 6 % gibt es entsprechende Fortbildungen, sie haben sie aber noch nicht wahrgenommen. Der großen Mehrheit von 70 % der Beschäftigten wird keine KI-Fortbildung angeboten. Das ist das zentrale Ergebnis einer Befragung, die der Digitalverband Bitkom am 7. Juli 2025 veröffentlicht hat.
Bitkom stellt die Zahlen in den Zusammenhang der europäischen KI-Verordnung. Seit Februar 2025 müssen alle Unternehmen, die KI einsetzen, sicherstellen, dass die beteiligten Personen über ein „ausreichendes Maß an KI-Kompetenz“ verfügen. Dazu zählen neben den eigenen Beschäftigten auch Freelancer, Zeitarbeitskräfte oder Dienstleister. Die konkrete Umsetzung wirft laut Bitkom in der Praxis noch viele Fragen auf. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst rät auch Unternehmen, die aktuell keine KI einsetzen, Fortbildungen anzubieten, weil viele Beschäftigte private KI-Apps für berufliche Zwecke nutzen.
Der Verband empfiehlt, KI-Schulungen bedarfsgerecht, zielgruppenspezifisch und kontinuierlich durchzuführen. Neben technischen Grundlagen zur Funktionsweise von KI im Allgemeinen und im konkreten Anwendungskontext sollten rechtliche und ethische Fragen einbezogen werden. Vollständige Weiterbildungskonzepte sollten einen Lernraum zum Ausprobieren, Peer-Learning und Community-Netzwerke für informelles Lernen enthalten.
Die Befragung fragte auch nach der Einschätzung der eigenen Ersetzbarkeit. 14 % der Erwerbstätigen glauben, dass eine KI sie in ihrem Job komplett ersetzen könnte. 33 % gehen davon aus, dass eine KI ihre Vorgesetzte oder ihren Vorgesetzten ersetzen könnte.
Wie die Studie entstanden ist
Grundlage ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Bitkom durchgeführt hat. Befragt wurden 1.005 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, darunter 513 Erwerbstätige. Die Befragung fand telefonisch im Zeitraum von Kalenderwoche 11 bis Kalenderwoche 15 des Jahres 2025 statt. Bitkom bezeichnet die Umfrage als repräsentativ. Die Aussagen zu Schulungen und zur Ersetzbarkeit beziehen sich auf die Teilgruppe der Erwerbstätigen.
Die Ergebnisse erschienen am 7. Juli 2025 als Presseinformation unter dem Titel „Ein Fünftel wurde im Job zu KI geschult“. Dieselbe Bevölkerungsbefragung fließt in den Bitkom-Studienbericht „Künstliche Intelligenz in Deutschland“ ein, der die Bevölkerungs- und die Unternehmensbefragung des Jahres 2025 zusammenführt.
Was das für den Mittelstand heißt
Die Zahl von 70 % ohne Angebot ist vor allem deshalb relevant, weil sie mit einer bereits geltenden Pflicht zusammenfällt. Artikel 4 der KI-Verordnung verlangt seit dem 2. Februar 2025 von Anbietern und Betreibern, für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals zu sorgen. Ein Unternehmen, in dem Beschäftigte KI nutzen, ohne dass es eine Schulung gibt, erfüllt diese Anforderung nicht, unabhängig davon, ob die Nutzung offiziell eingeführt wurde oder still über private Konten gewachsen ist.
Die Bitkom-Empfehlungen geben zugleich einen brauchbaren Rahmen für kleine und mittlere Unternehmen. Schulungen müssen nicht umfangreich sein, sie müssen aber alle Nutzenden erreichen, den konkreten Arbeitskontext betreffen und Datenschutz sowie Grenzen der Technologie behandeln. Der Lernraum zum Ausprobieren ist im Mittelstand oft der entscheidende Punkt: Beschäftigte brauchen eine Umgebung, in der sie KI mit Unternehmensdaten testen dürfen, ohne dass diese Daten bei einem Anbieter außerhalb Europas landen.
Für die Kompetenzpflicht gibt es inzwischen strukturierte Angebote; die Schulungen von vector zero unter /learn erfüllen die Anforderungen aus Artikel 4 des EU AI Act. Welche Regeln der AI Act darüber hinaus setzt und was „KI-Kompetenz“ bedeutet, erläutert das Lexikon.
Quelle
Bitkom e. V.: „Ein Fünftel wurde im Job zu KI geschult“, Presseinformation vom 7. Juli 2025. Abrufbar unter bitkom.org.